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Oktober 2011 - Ausstellung mit der Künstlergruppe MachArt in der Mühle Amern

Das Thema der diesjährigen Gemeinschaftsausstellung der Künstlergruppe MachArt  lautet “Augenblick”. Ich war am Strand von Cornwall, als mir das Thema praktisch “zu Füßen lag”. Ich war faszinierte von den kurzen Augenblicken, in denen das Meer den Strand freigibt.

Da zeigen sich die wunderschönsten Algengebilde; von Wind und Wellen gestaltete Formationen, die mich so begeisterten, dass ich eine Serie Fotos schoss.

Eigentlich sollten diese nur für meine Malerei als Erinnerung dienen. Ich habe mich dann aber entschlossen, sie mit auszustellen, weil sie einmal für sich genommen gute Fotos zum Thema sind, zum anderen für den Betrachter spannend sein kann, wie ich diese malerisch mit den verschiedensten Materialien umgesetzt habe.

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Augenblick VI Augenblick VII Augenblick VIII

Eröffnungsrede zur Ausstellung der Gruppe Machart, 14.10.2011 im Mühlenturm in Amern
Dr. Antje Hambitzer


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kunst!
Mein Name ist Antje Hambitzer, ich bin Mitglied dieser Künstlergruppe und möchte ihre Aufmerksamkeit für etwa 10 Minuten auf den Augenblick lenken.

Das ist ein schöner Augenblick, wenn eine Ausstellung eröffnet wird. Und genau dies ist auch das Thema der Ausstellung: Der Augenblick.

Schlaue Leute haben sich darüber, was einen Augenblick ausmacht, schon Gedanken gemacht:

Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit sich berühren (Kierkegaard)

Ein jeder lernt nur was er kann. Doch der den Augenblick ergreift, das ist der rechte Mann (Goethe)

Nimmer gewinnt, wer zagt. Schnell ist das Wechselglück. Dein ist der Augenblick (von Rellstab)

Die Gruppe Machart hat sich auch zu diesem Thema Gedanken gemacht. Machart, das ist ein loser Zusammenschluß von derzeit 10 Künstlerinnen, und wir bestehen seit 18 Jahren, sind also gerade erst volljährig geworden und richten meistens 1 mal pro Jahr eine Gemeinschaftsausstellung zu einem bestimmten Thema aus. Geleitet wird die Gruppe von Frau Schrey.

Wir kommen mehrheitlich aus Brüggen sowie aus Mönchengladbach, Kempen, Wegberg und Niederkrüchten. Einige von uns haben eine künstlerische Ausbildung, andere  haben völlig andere Berufe.
Ich gebe Ihnen nun einen kurzen Überblick über das, was das Thema Augenblick mit uns gemacht hat und wir dann für Sie, die Betrachter, gemacht haben.  In der Interpretation und Ausführung ist jede von uns frei – in jedem Kopf geht schließlich etwas anderes vor und jede bevorzugt andere Techniken oder Materialien.

Ein Augenblick, ein Moment, eine Weile, eine kurze Dauer und doch eine kleine Ewigkeit. Alle Augenblicke lang etwas tun, das heißt immer wieder. Zu keinem Augenblick bedeutet niemals. In diesem Zeitrahmen haben sich alle Künstlerinnen bewegt. Sie haben die für sich selbst wichtige Augenblicke dargestellt oder sich zum Augenblick in seiner allgemeinen Form Gedanken gemacht.

Zunächst haben wir uns das Thema Augenblick gegeben. Aber nicht gleich am Anfang gab es die passenden Augenblicke des Ideenreichtums. Doch mit dem näher rückenden Ausstellungstag wächst der Zeitdruck und es kommt der Augenblick der Wahrheit, denn die Sachen müssen fertig werden – es müssen lichte Augenblicke her. Und dann brauchten wir noch den einen oder anderen Augenblick der Ruhe für das Realisieren der Ideen. Und schließlich kommt der Augenblick an dem alles getan ist und die Ausstellung fertig ist.

So reiht sich ein Augenblick an den anderen – ja, so ist es im gesamten Leben und es scheint uns fast als ginge es jedes Jahr immer schneller. Dinge, die eben noch neu waren sind schon wieder alt, die eben noch wichtig und wertvoll waren haben schon ihre Bedeutung verloren.

Materialien werden oftmals nur einmal gebraucht, werden schnell und achtlos weggeworfen. Darum geht es Martina Erkes in ihren Bildern. Sie sind in einer zeitaufwendigen Technik gemalt und gezeichnet und fügen so dem Achtlosen eine neue Wertigkeit zu. Die ursprüngliche Funktion hat sich verändert, ja sie hat sich auf den Kopf gestellt.

Hanna Brückelmann denkt ähnlich. Sie verwendet keramische Rauchbrandelemente aus Ton für Stelen und Skulpturen. Beständige Wertigkeit und zeitintensive Arbeitsprozesse stehen in einem Gegensatz zu einem kurzen Augenblick in schnelllebiger Zeit.

Eine Welle kommt, schmeißt etwas auf den Strand und im selben Augenblick ist das Wasser wieder weg. Algen und anderes bleiben zurück. Diese Augenblicke fing Heidi Goldhammer ein, mit einer Fotoserie aus Cornwall und einer daraus entstandenen Bilderserie in Acrylmischtechnik. Der Augenblick wird fotographisch festgehalten, weiter verändert in der Umsetzung zu einem Bild und so verstärkt sich der Augenblick, den es zum Zeitpunkt des Malens bereits lange nicht mehr gibt.

Bei Elke Schrey ist es ähnlich. Sie beobachtet die Natur ganz genau. Die Wasserwellen eines Gebirgsbaches werden fixiert,  werden so quasi eingefroren und zu einem erstarrten Augenblick, den es in der Realität so gar nicht gibt denn eigentlich ist jede Wasserbewegung, eben jeder Augenblick, anders.

Auch der gleiche Anblick, der gleiche Augenblick ist in jeder Jahreszeit anders. Die Fotos von Margarete Beckers geben so die Stimmungen und Eindrücke wieder, entstanden an immer der gleichen Stelle an einem Schloßweiher im Laufe des Jahres. Rost, verrottende Kähne scheinbare Bewegungslosigkeit und doch jeden Augenblick anders.

Glas und Licht sind unzertrennlich. Die Farben verändern sich und so wird Vergänglichkeit sichtbar. Das drückt Claudia Hummen in ihren Glasobjekten aus.

Gisela Stiller macht deutlich, daß es nur eines Augenblicks der Veränderung bedarf und schon entsteht etwas Neues. Eine vorgegebene Form wird gespalten, durchstoßen, verändert oder durchtrennt und ihre Fantasie hat daraus Bilder geschaffen.

Das Thema von Christiane Koken ist die Macht des Geldes. Die schönen und weniger schönen Augenblicke, die mit Reichtum verbunden sind- Augenblicke des Scheiterns und Augenblicke der Macht, des Erfolges. Nach Momenten der Hoffnung streben die Menschen, müssen sie selbst auslösen und auch selbst aushalten. Und im nächsten Moment verfliegt wieder jede Hoffnung. Auch Christiane Koken verwendet eine zeitintensive, altmeisterliche Technik, die in einem starken Kontrast zum schnellen Wechsel von Erfolg und Niederlage steht.

Die Momente der Erinnerung und der Emotionen– das sind die Inhalt der Bilder von Martina Jaesch. Sie könnten tief in uns lange im Verborgenen liegen und brechen dann durch Ereignisse in unserem Umfeld wieder hervor. Eingearbeitete Fotos der Kindheit unterstreichen dies.

Meine Bilder, ich bin Antje Hambitzer erinnern an flüchtige Fetzen aus Papier vor einem grenzenlosen Hintergrund. Es gibt unendlich viele Augenblicke doch kein Augenblick läßt sich festhalten. Sie sind alle flüchtig.  Nur unsere Erinnerung an ihn kann ein Leben lang anhalten.
So , viel mehr als diese kurze Einführung möchte ich ihnen gar nicht geben. Sie haben das Privileg auf fertige Stücke zu schauen und zu spüren, wie alles gerade in diesem Augenblick auf sie wirkt. Ich wollte, ich könnte das einmal bei meinen Bildern erleben. Aber dieser Augenblick bleibt den Künstlern versagt, denn sie haben ja alles langsam in ihrem Kopf und dann unter ihren Händen entstehen sehen.
 
Genug der Worte. Kunst entsteht im Auge des Betrachters und nicht in seinen Ohren.  Lassen Sie die Ausstellung auf sich wirken, sagen Sie uns was der Anblick mit ihnen gemacht hat und genießen Sie jeden Augenblick.
 

Zeitungsartikel Rheinische Post als PDF anzeigen

Zeitungsartikel Gemeinde Schwalmtal als PDF anzeigen

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© Heidi Goldhammer: Nachdruck, Kopie, Verkauf, Veröffentlichung, Verleih oder anderweitige Verbreitung der Bilder ist ohne meine Zustimmung nicht gestattet.
Letzte Aktualisierung:   Samstag, 20. Januar 2018